Die Zusammenarbeit mit Anwendern bei der Entwicklung von technischen Lösungen soll unter dem Stichwort Co-Design im Bereich der Informatik sowie im Bereich regulatorischer Ansätze angewandt werden. Mit Co-Design sind generell Ansätze gemeint, die Techniknutzer und weitere Stakeholder aktiv in den Gestaltungsprozess mit einbeziehen. Technik wird also nicht allein von Ingenieuren und Designern entworfen, sondern gemeinsam mit den Menschen, welche die Technik später einsetzen sollen oder indirekt von ihrem Einsatz betroffen sind. Im folgenden Abschnitt sollen zunächst verschiedene Ansätze aus dem Bereich des Co- Designs vorgestellt werden: User-Centered Design, Partizipatives Design, Value Sensitive Design und Science and Technology Studies. Im folgenden Forschungsprojekt werden für Co-Design relevante regulatorische Ansätze angewendet: Privacy By Design, Rechtliche Risikoanalyse und Ethische Impact Assessments. Folgende wichtigste Punkte werden bei der Umsetzung berücksichtigt:

ELSI-Aspekte zeigen sich oft erst in der Aneignung von Technologien in der Praxis und lassen sich nicht vollständig technisch auflösen. Daher sind evolutionäre Vorgehensweisen und Aushandlungsprozesse erforderlich.

ELSI betrifft nicht nur die technische Gestaltung und die späteren Nutzer, sondern weist eine starke gesellschaftliche Komponente auf. Daher müssen bei der Technikentwicklung Rahmenbedingungen für die Auseinandersetzung mit der Öffentlichkeit geschaffen werden.

ELSI sollten von Anfang an gleichberechtigt neben funktionalen Anforderungen behandelt werden, was besondere Rollen und Methoden im Rahmen des Co-Designs erfordert.

Die folgende Abschnitte wird ein Überblick über bewährte Vorgehensweisen und wichtige Aspekte beim ELSI-Co-Design gegeben und soll als Hilfestellung bei der praktischen Umsetzung dienen.Einrichtung der Rolle eines ELSI-Experten sowie einer Kooperationsumgebung für ELSI-Diskussionen (z. B. Wiki-System, Bug-Datenbank, Multimedia-Server). Analyse von bestehenden Nutzungspraktiken, Werkzeugen und Infrastrukturen unter ELSI-Gesichtspunkten als Begleitmaßnahme zur normalen Anforderungserhebung/Domänenanalyse. Identifikation von betroffenen Personengruppen (Stakeholdern) und Initiierung eines Dialogs in Bezug auf das geplante Projekt. Dokumentation von auftretenden ELSI-Aspekten und möglichen Zielkonflikten als Grundlage für die Gestaltung (ELSI-Requirements) sowie für den Dialog mit der Öffentlichkeit.

Vorstudie (Schritt 1):

Umsetzung (Schritt 2):

Entwicklungsbegleitende Exploration von ELSI-Aspekten mit Anwendern und weiteren Stakeholdern im Rahmen von spezifischen ELSI-Workshops (z. B. als Zukunftswerkstätten, Design Fictions, Panel Diskussionen etc.) Feedback von Ergebnissen aus dem ELSI-Co-Design an die Entwickler als Input für den Gestaltungsprozess. Analyse und Rückspiegelung an die Anwender sowie die Öffentlichkeit in Form eines Dialogs. Tiefergehende Exploration von ELSI-Aspekten gemeinsam mit den Entwicklern, z. B. in Form von Interviews mit Entwicklern oder Diskussionen über Stand und Ziele der Implementierung. Dokumentation der Ergebnisse während der Umsetzungsphase, insbesondere in Bezug auf Zielkonflikte und Limitationen.

Aneignung:

Untersuchung von ELSI-Aspekten in Bezug auf die Aneignung des Systems durch Praktiker, beispielsweise im Living Lab, insbesondere bei neu auftretenden, bisher nicht erwarteten Aspekten. Analyse und Überarbeitung der zuvor dokumentierten ELSI-Requirements und Forschungsergebnisse vor dem Hintergrund der Aneignungseffekte. Rückspiegelung und Sichtbarmachung von auftretenden Zielkonflikten an die Entwickler sowie auch die Praktiker und weiteren Stakeholdern, einschließlich der Öffentlichkeit. Abschließende Dokumentation der Erkenntnisse für die Forschung sowie die Öffentlichkeit.